Drehbuch schreiben

Wie schreibe ich ein Drehbuch?
Der
Script-Doctor hat für die jüngeren Drehbuchautorinnen und -autoren diese Orientierungshilfe verfasst. - Sie ist aber allgemein gültig und kann natürlich auch von einem älteren Publikum verwendet werden. :-)

Orientierungsphase

Ein Drehbuch ist zu allererst eine Geschichte, die durch das Handeln ihrer Charaktere erzählt wird. Genau wie ein Theaterstück orientiert sich ein Drehbuch an bestimmten Formen, Strukturen und Regeln, um eine Geschichte zu erzählen. Diese sind ?künstlich?, müssen das aber auch sein, um ?natürlich? zu wirken. Was sind diese Strukturen? Dazu komme ich noch ? aber die erste Frage ist: ist die Geschichte, die ich filmisch erzählen will, geeignet, mit einer begrenzten Zahl von Figuren innerhalb von 90 Minuten erzählt zu werden? Durchläuft meine Hauptperson eine Entwicklung in der Geschichte ? lernt sie etwas? Was lernt sie? Diese Frage führt uns bei der Vorarbeit zum Thema der Geschichte. Ich schreibe also erst einmal auf, WESSEN Geschichte es ist, was passiert, und wie die Geschichte enden soll.

Stoffsammlung

Ich setze mir diese Geschichte sozusagen als Sonnenbrille auf und fange an, meine Umgebung genau zu beobachten. Was passiert um mich herum, was ich für meine Geschichte verwenden kann? Passt nicht das Verhalten von diesem Mann da am Bahnhof gut in meine Geschichte? Wie lebt, denkt, atmet, bewegt sich meine Hauptfigur? Welche Bücher gibt es zum Thema? Wenn es eine historische Geschichte ist, was sollte ich noch über die Zeit wissen? Haben die Menschen damals anders gesprochen, und wie? Ich sammle Informationen wie ein Schwamm und schreibe sie auf Karteikarten: Ideen, Szenen, Sätze, Momente. Ich lasse mir Zeit dabei, weil ich weiß, daß die Geschichte dabei nur besser werden kann.

Strukturierung

Im Lauf der Tage wird mir klar, was es ist, was mir an der Geschichte WIRKLICH gefällt; was ich WIRKLICH erzählen will. Um ein Beispiel zu nennen: In ?Spider-Man? geht es nur auf der Oberfläche darum, dass ein normaler Junge plötzlich Superkräfte bekommt, und wie er den Grünen Kobold besiegt ? unter der Oberfläche geht es um die Frage Egoismus und Verantwortung, symbolisiert in dem Satz Aus großer Kraft folgt große Verantwortung seines Onkels. Erst durch das tiefere Thema, dieses Netz untendrunter, bekommt eine Geschichte das, was das gute Gefühl auslöst, einen guten Film gesehen zu haben. Was ist also meine Geschichte; und was ist meine echte Geschichte?
Dann stelle ich mir die Frage, wie ich die Geschichte so erzähle, dass sie spannend wirkt. Unvorhersehbar. Vertraut und neu zugleich. Viel davon ergibt sich erst beim Erzählen, d.h. beim Schreiben der Geschichte. Ich bringe meine Karteikarten in eine Reihenfolge und stelle mir immer wieder die Frage: was soll der Zuschauer wissen? Was darf er ahnen? Was bewahre ich mir für einen späteren Moment auf?

Schreibarbeit

Jede Geschichte beginnt mit einer dramatischen Situation. Wichtig ist, daß es eine dramatische Situation nur zwischen menschlichen Charakteren geben kann. Probleme, die zwischen Protagonisten und Naturgewalten oder sozialen Ereignissen entstehen, funktionieren im Film schlecht. Alles muß auf ein Aneinanderprallen der Charaktere hin angelegt werden. Romeos Problem ist nicht die soziale Konfrontation zweier Familien, sondern seine Liebe zu Julia. Einfache, lebenswichtige Fragen werden sofort gestellt. Der Charakter tritt mit seinem Problem auf.
In einem guten Drama ist der Beginn immer klar und deutlich festgelegt. Die Charaktere müssen handeln, es darf einfach keine Unbestimmtheit geben. Das dramatische Erzählen funktioniert nach dem Motto: jemand möchte etwas tun, und warum kann er es nicht? Romeo hat Julia gesehen und hat sich sofort in sie verliebt. Jetzt will er zu ihr und ihr seine Liebe erklären. Warum kann er es nicht? Wenn es zu einfach wäre, gäbe es keine Geschichte. Also türmen sich vor Romeo Probleme auf: sie ist die Tochter seines Feindes. In einem Duell tötet er versehentlich ihren Vetter Tybalt. Er wird verbannt und darf Verona nicht mehr betreten. Sie soll einen anderen heiraten.
Wenn ich meine Geschichte schreibe, brauche ich gute Gründe, warum mein Held nicht einfach hingeht und das tut, was er will. Dazu benutze ich zwei Werkzeuge.

  • Werkzeug 1: Ich sorge dafür, dass der Held nicht etwas tun will, sondern tun muss, weil er keine andere Wahl hat. Luke Skywalker hat sich zwar ein bißchen in Prinzessin Leia verliebt, aber er entscheidet sich erst, Ben Kenobi zu folgen, als er kein Zuhause mehr hat. Dieses Zögern ist menschlich, jeder versteht es. Freiwillige Helden gibt es wenige, aber Menschen die etwas tun, weil sie keine andere Wahl mehr sehen, gibt es viele.
  • Werkzeug 2: Ich sorge dafür, dass die Situation immer schlimmer wird, wenn der Held nichts tut. Vielleicht hätte Neo eine ganz andere Geschichte erlebt, wäre er mutig gewesen und an der Außenfassade des Hochhauses nach unten geklettert. Aber er fand die Situation nicht gefährlich genug, um das zu riskieren, und deswegen gerät er erst einmal in die Gefangenschaft von Agent Smith.

Wie ein Drehbuch aussieht, sieht man am besten am Beispiel: bei Filme von A-Z stehen kostenlos Drehbücher zum Download. Drehbuchprogramme wie der Logliner oder celtx helfen beim Formatieren. Aber die Arbeit machen sie nicht... hier geht es um Ideen, und vor allem um die Kraft des Erzählens. Die Zuschauer schenken mir zwei Stunden ihres Lebens. Es ist mein Job, dafür zu sorgen, dass sie aus dem Kino rausgehen und sagen: Das hat sich gelohnt. Ich habe eine bewegende, spannende, und unterhaltsame Geschichte erlebt.
Also immer wieder an diese Punkte denken:

  • Wie sprechen meine Figuren? Ich als Autor/in bin ja nur eine Person, und ich spreche, wie ich spreche. Natürlich ist die Versuchung groß, beim Reden die eigenen Sätze und Worte zu verwenden. Aber im Film geht das nicht: es sind verschiedene Menschen mit ihren eigenen Sprachticks. manche sagen immer 'gell?', nach jedem Satz. Andere verwenden nie lange Worte. Dritte bauen in jedem dritten Satz ein Wort ein, das zeigt, wie klug sie sind. Die Unterschiede zwischen den Sprachweisen von Figur A und Figur B machen viel aus
  • Nur das, was eine Figur in einem Konflikt erfahren oder erlebt hat, merkt sich der Zuschauer sicher. Wenn also für meinen Film ganz wichtig ist, dass die Zuschauer im Kopf behalten, daß unsere Heldin panische Angst vor Ratten hat, dann reicht es nicht, wenn die Mutter der Heldin irgendwann in den ersten 10 Minuten der Geschichte zu ihr sagt: 'und ich weiß ja auch, als Kind hattest du ja immer Angst vor Ratten'. Der Zuschauer muss es gesehen haben, dass sie, die immer cool gewesen ist, völlig panisch reagiert, wenn ein vierbeiniges kleines graues Wesen auftaucht.
  • Den Zuschauer interessiert zuerst einmal das, was zur Geschichte gehört. Beim Schreiben also darauf achten, dass die Hauptgeschichte ganz erzählt ist. Erst wenn ich sie habe, mache ich mich daran, Neben- und Vorgeschichten zu erzählen.
  • Überarbeiten, überarbeiten, überarbeiten. Nichts ist perfekt, und schon garnicht ein Drehbuch. Jeder Leser wird andere Kritikpunkte finden, und natürlich ist es erst einmal ärgerlich, zu hören, dass nicht alles richtig 'rüberkommt'. Aber das ist völlig normal. Alle Autoren schreiben um, schreiben neu, schreiben anders. Jede Kritik hat einen Wert, auch wenn sie nichts anderes sagt als... ich habe die Geschichte nicht verstanden. Dann heißt es... was kann ich verbessern?

Am besten ist es, es einfach mal zu versuchen. Viele Fragen kommen beim Schreiben, und das Internet bietet viel Antworten. Ein paar Tipps habe ich auf meiner Site script-doctor.de gesammelt, auch eine Liste der Bücher, die mir weiterhelfen, wenn ich nicht mehr weiterweiß. Erwartet nicht gleich den großen Erfolg beim Schreiben, der kommt nur mit viel Arbeit, Üben und vom vielen Lesen. Drehbücher, Romane, Kurzgeschichten, Comics. Zuviel Lesen gibt es nicht. Viel Spaß!

 
 

© ICT-Atelier www.ict-atelier.ch
 
 
Home

Drehbücher suchen

The Logliner Download

Drehbuch schreiben

Drehbuch hochladen

Online Videos

SUISA-freie Audiodaten

Impressum

Kontakt


Unsere E-Shops






Foto-Datenbank


 
 
 
Login:




Registrieren
Passwort vergessen?

kurseundkongresse.ch
forschungundbildung.ch
singunterricht.ch
ictimunterricht.ch

Partner/ Produkte

Chorliteratur
Vocabulari Vallader
Lehrmittelkatalog BFE
eContent PHGR
ICT-Medienserver
ICT-Taskmanager

Ihr eigener Medienserver

Mit dem ICT-Server publizieren Sie schnell und einfach Text, Musik und Film über das Internet. Wie gewohnt, kann die Applikation in bestehende Webseiten eingebunden oder mit einer individuell an Kundenwünsche angepasste Oberfläche aufgeschaltet werden. Ihr eigener Medienserver